Heute erster Todestag der Informations- und Wissensikone Vera F. Birkenbihl

3. Dezember 2012
Nun ist es bereits ein Jahr her, dass Vera F. Birkenbihl den Folgen ihres Krebsleidens erlag. Die gemeinhin als Managementtrainerin und Sachbuchautorin bekannte Psychologin und Journalistin Vera F. Birkenbihl wurde 1946 in München geboren, verbrachte ein Teil ihres Lebens in den USA, wo sie auch studierte und ihre Arbeit als Lern- und Gedächtnistrainerin auf Basis der Erkenntnisse der Hirnforschung begann. Sie etablierte sich nach ihrer Rückkehr nach Europa schnell als ernst zu nehmende Kritikerin üblicher Lern- bzw. Lehrmethoden in diversen Bereichen des ‚Dazulernens‘, weit über den schulischen Fokus hinaus. 
In diversen Sachbüchern legt sie ihre Forschungserkenntnisse nieder, parallel von ihr entwickelte Lern- und Gedächtnismethoden sollen Abhilfe schaffen. Die Titel ihrer Bücher (‚Stroh im Kopf‚, ‚Trotz Schule: Fremdsprachen lernen‚) weisen oft auf ihre ganz eigene Kritik an gesellschaftlichen Um- bzw. Zuständen hin. 
Neben dem ‚Institut für gehirn-gerechtes Arbeiten‘ hinterlässt Vera F. Birkenbihl einen eingeschworenen Kreis an Anhängern, die ihre Arbeit, ihren Tenor und ihr Weltbild weitertragen werden – ich gehöre dazu. Der Blog http://www.hintertreppe.com enthält Informationen über das bei ihr spät diagnostizierte Asperger Syndrom, also die als Autismus bekannte Erkrankung.
Wir – als kleiner Teil des Kreises der VFB-Jünger – danken ihr für die vielen interessanten Anregungen und Denkansätze und sehen es als unsere Aufgabe, mit diesen weiter zu arbeiten und sie weiter zu verfolgen. 
Ruhen Sie in Frieden, liebe Vera F. Birkenbihl.
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Mythos: Lehrkräften, Trainern & Coaches geht’s richtig gut…

11. August 2011

Erneut auf eine unserer Tragödien aufmerksam geworden

Ein furchtbares Problem unserer Zeit ist ja wohl, dass es nicht passt mit der Bildung. Also mit der Qualität der Bildung. Nun gut, den Individuen, welche sich ein bestimmtes Wissen aneignen sollen, wird nun auch nicht gerade 100%iger Enthusiasmus und Lernfreude nachgesagt, aber um die soll es diesmal nicht gehen.
Wir kennen (zumindest als Trainer) die Speerspitze der Trainingsbranche von ihren tollen Veröffentlichungen oder gar aus den sozialen Netzwerken, zuletzt in meinem Fall die Erfolgsgeschichte von Martin Limbeck’s „Nicht gekauft hat er schon“. Das Geschehen mitzuverfolgen bereitet jedem, der die Leistung anderer schätzen kann, große Freude. Ach nein, Moment: Eine weitere Bedingung muss noch erfüllt sein: Der eigene Kühlschrank darf natürlich nicht leer sein. Sonst hat das immer etwas von fehlender Authentizität oder Unaufrichtigkeit, mit dem Freuen für andere.
Nun leiden aber viele der Lehrkräfte, Trainer und Coaches unter dem traurigen Umstand, dass sie nicht alle so erfolgreich sind – wie auch? Damit wäre ja diese Wertung ‚erfolgreich‘ auch sinnlos. Viele Trainer behalten trotz interessanter und lukrativer Aufträge in der Wirtschaft immer noch ein Bein in dem im weitesten Sinne sozialen/geförderten Trainingsbereich. Kennzeichen sind größere Gruppen, (pauschal behauptet) geringerer inhaltlicher Anspruch und dabei aber eine größere Dauer der Trainings. Gerade im SGB-Bereich (Sozialgesetzbuch) sind Maßnahmen, wie Kommunikationstrainings und Soft Skills Schulungen ein bewährtes Mittel der zuständigen Stellen (Kommune, Jobcenter, Agentur für Arbeit), um der Zielgruppe (meist Integrationsbedürftige, tlw. Zuwanderer, aber auch Langzeitarbeitssuchende) die gesellschaftliche Integration zu erleichtern.
Der Vorteil, den viele Trainer und Dozenten in diesem Bereich sehen, ist ein gewisses Vertrauensverhältnis zu den Einrichtungen, von denen sie engagiert werden. Diese Bildungseinrichtungen haben öffentliche Ausschreibungen der ‚Projekte‘ nicht zuletzt auch durch das Niederdrücken diverser Kosten gewonnen, unter anderem der Trainerhonorare. So entsteht also ein freundschaftliches, teilweise fast schon symbiotisches Verhältnis zu der Instanz, die maßgeblich an der Entstehung der Honorarstruktur beteiligt ist. Irre, oder?! Davon mal abgesehen, haben auch diese Träger keine andere Wahl, als die eigene Seele an den Teufel zu verkaufen, da sie andernfalls schlicht und ergreifend die Ausschreibung verlieren und erfahrungsgemäß ihre Daseinsberechtigung erst einmal sinkt, bevor sie zwei bis drei Jahre später gänzlich schwindet.
Wir wundern uns über den Verfall der Bildungsqualität?!? 
Nun, wenn es nur um einen Grund, also eine Ursache geht, ist die Antwort schnell gefunden: Die Honorare sind insbesondere in den neuen Bundesländern schon seit längerem ein Thema. Bereits kurz nach dem Umzug von Görlitz nach Berlin fand ich mich bei Trainertreffen und Zirkeln wieder, die genau dieses Ziel verfolgten: Ein moderates Honorar in den Köpfen aller beteiligten Funktionäre zu implantieren, um einen qualitativ vertretbaren ‚Job‘ zu machen. Diese Funktionäre waren in erster Linie Bildungsträger, aber auch Lokalpolitiker und Vertreter aus der Wirtschaft.
Anlass dieses Artikels war ein Kommentarthread auf dem Facebook-Profil einer Schulfreundin, in dem auch der folgende Link auftauchte, der das Ausmaß der Katastrophe verdeutlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an Ines Moerke für ihren Status als Anlass und an Frau Renate Nuppenau für das Posten und damit das Offenlegen von traurigen, für erfolgreiche Trainer kaum vorstellbare Tatsachen.

http://www.bims.com/n/?Honorare_in_der_Bildung

Eine abschließende Frage zu der aufgemachten Rechnung (siehe Link) bezüglich des Lehrerverdienstes:
Möchten Sie Ihr Kind in die Obhut eines derart Geringverdienenden geben?
Mit welcher Folge rechnen Sie eher:
  1. „Ihr Kind wird nicht viel lernen, da die Lehrkraft gar nicht ambitioniert ist gute Qualität zu leisten.“
  2. „Ihr Kind wird unter der schlechten Laune und der ständigen Stimmungsschwankungen, die durch finanzielle Sorgen verursacht werden, in Mitleidenschaft gezogen und zeigt selbst nicht nachvollziehbares Verhalten oder gar Verhaltensstörungen.“
Auf Rückmeldungen und Kommentare bin ich gespannt!
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